Vom Fallen und…

… liegen bleiben.

Im letzten Quartal 2023 brach für mich eine Welt zusammen. Aus dem Nichts heraus, entschied mein Chef und Doktorvater, ich dürfe meine Doktorarbeit nicht mehr beenden; er wolle mich nicht mehr betreuen. 3 Jahre Arbeit für Nichts. Der Traum geplatzt. Der Stecker gezogen. Der Akku hat noch etwas Restenergie.
Mit dieser funktioniere ich noch irgendwie, halte das System am Laufen, um bis zum Vertragsende meiner Lehrverpflichtung nachzukommen – in den Fängen der doppelten Abhängigkeit.

… sich aufrappeln.

Im Laufe von 2024 erholten sich Körper und Geist allmählich; auch holte ich mir professionelle Hilfe, um mich mit all den Themen auseinanderzusetzen, die mich seit meiner Kindheit begleiteten: von der Scheidung der Eltern, Mobbing und Außenseiter-Dasein in der Schule bis hin zu Erfahrungen mit sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt.
Zum ersten Mal in meinem Leben nahm ich mir die Zeit für mich und meine Themen. Endlich lief ich nicht mehr vor der Vergangenheit weg, indem ich meine Zeit vollpackte mit neuen Projekten, wieder neue Sprachen lernte/bereits gelernte auffrischte, oder half, wo man mich brauchte und ich helfen konnte. Ich begann für mein Leben zu lernen.

… lernen.

Lernen aus Fehlern. Lernen durch bedingungslose Ehrlichkeit. Lernen durch Reflexion. Lernen, indem man schlecht verheilte Wunden wieder öffnet, in der Hoffnung, dass die Narben danach kaum noch sichtbar sind. Lernen durch Schmerz.
Wozu? Um zukünftig nicht immer wieder in alte Muster zu fallen. Um Grenzen klar abstecken und kommunizieren zu können. Um für mich als Mensch und meine persönlichen Werte und Überzeugungen eintreten zu können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Um mein Leben nach meine Vorstellungen gestalten zu können, und nicht nach den mir vorgelebten. Um irgendwann die Frau zu sein, die ich sein möchte. – Sollte ich zum Glauben zurück finden, werde ich vielleicht doch noch Mutter Theresa 2.0. Dann behielten einige Recht. 😉 – Um mein verlorenes Profil wiederzufinden.

… dem verlorenen Profil

Wer jetzt sagt, wir haben dein Profil doch bei Instagram und LinkedIn gefunden, der hat mit Sicherheit Recht, aber das ist nicht das verlorene Profil, was gesucht wird.
Verloren habe ich es wohl peu à peu 2019 – als sich der Ort, an dem ich die meiste Zeit meines Lebens verbrachte, schrittweise zum Ort der Unsicherheit und des Unwohlfühlens entwickelte. Als man mich dann Anfang 2020 – noch vor dem ersten Corona-Lockdown – an diesem Ort ungefragt küsste, wurden die Gefühle der Unsicherheit und des Unwohlfühlens noch größer.
Nach dem ersten Lockdown mied ich den Mittelpunkt meines Lebens und Hauptort meiner sozialen Interaktionen – teils wegen der Angst, teils wegen der Scham. Ich zog mich zurück: Es war der Kuss, es waren die Sprüche, es waren die Textnachrichten, es war der Umgang damit.
Zum Jahreswechsel 2020/21 kam hinzu, dass Versprechen nicht gehalten wurden. Versprechen, die mich dazu bewogen haben, zu bleiben, obwohl ich nur weg wollte. Aber ich blieb und blieb und blieb. Ich biss mich durch, schluckte diverse Vorkommnisse, schaute weg, um mir nicht eingestehen zu müssen, dass etwas gehörig falsch läuft. Dabei verlor ich mich immer mehr, denn ich arbeitete gegen mich.
Das Ziel, einmal eine Lehrveranstaltung geben zu dürfen und meine Promotion beenden zu können, hielt mich am Leben. Das erste Ziel erreichte ich, das zweite leider nie, weil ich nicht durfte. Auf die Frage nach dem „Warum?“ erhielt ich nie eine Antwort. Zu allem Überfluss entschied man sich noch dazu, mir kein Arbeitszeugnis auszustellen. Ein Hoch auf die doppelte Abhängigkeit! Ein Hoch auf den Verlust des eigenen Profils!

… wieder fest im Leben stehen.

Die gute Nachricht zuerst: Mein Profil setzt sich Puzzleteil für Puzzleteil wieder zusammen. Die Leidenschaften sind zurück, das Feuer brennt wieder.

Aber wann ich wieder fest im Leben stehe? Je ne sais pas. Ich hoffe, bald.
Es sind noch ein paar Schritte zu gehen. Privat, aber auch beruflich. Ich muss meine Angst vorm Scheitern ablegen, aber ich muss auch jemanden finden, der mit mir zusammen arbeiten möchte, damit zu den über 300 Absagen nicht noch mehr hinzukommen. Es muss jemand mein Potential erkennen, es fördern wollen und vielleicht den Mut aufbringen, mir eine Chance zu geben.

Dann kann ich auch wieder fest im Leben stehen und mein Leben eigenständig, selbst bestimmt und frei führen.