Beweggründe
Während ich diesen Text hier schreibe, stelle ich mir immer wieder die Frage: „Katharina, warum machst du das hier?“
Es gibt Momente, da halte ich das für die größte Schnapsidee, und es gibt Momente, da ist es nur eine kleine.
Ich bin kein Mensch, den es in die Öffentlichkeit zieht.
Ich bin kein Mensch fürs Rampenlicht oder für die große Bühne.
Ich bevorzuge die Ruhe, beobachte gerne Menschen und ihr Verhalten, lausche dem Klang der Natur.
Ich mache mir im stillen Gedanken über unsere Gesellschaft, die weltpolitische Lage, … und vergesse dabei vollkommen die Zeit.
Ich nehme wahr, welche Auswirkungen die Entwicklungen der letzten Jahren in den verschiedensten Lebensbereichen, das Individuum, ebenso wie das Kollektiv beeinflussen – wie wir uns irgendwie verlieren und womöglich auch alle mit ordentlich Schmackes gegen die Wand fahren.
Aber: Ich weiß nicht, wie ich als ruhige, zurückhaltende Person etwas ändern bzw. mir Gehör verschaffen kann, obwohl ich es gerne würde – heute lieber als morgen.


Mangelndes Selbstvertrauen, Angst und Unsicherheit waren stete Begleiter meines Lebens. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Trennung der Eltern, Mobbing in der Schule, Übergriffe, Missbrauchserfahrungen, das Gefühl irgendwie anders zu sein, nirgends dazuzugehören, …
All das hat mich über einen sehr langen Zeitraum stiller werden lassen, bis ich verstummte. Und das war gar nicht gut. Denn mit dem Verstummen begann auch die Selbstaufgabe. Stücke für Stück. Ich gab mich der Leistungsgesellschaft hin, und nahm spätestens ab Oktober 2017 voll an ihrem, mir eigentlich widerstrebenden Wettbewerb teil.
Mehr und mehr merkte ich, wie auch noch der Wettbewerb mein Leben beeinflusste. Meine Zeit verbrachte ich fast ausschließlich im Münsteraner Fürstenberghaus oder im Zug auf dem Weg in meine Heimatstadt, weil ich dem Studium, der Arbeit und dem Fingerschnipsen der Familie alles unterordnete.
Ich war einfach nicht mehr ich selbst. Obwohl ich oft gerne meine Meinung gesagt hätte, weil mir Dinge auffielen, ich Zusammenhänge erkannte, oder Missstände feststellte, traute ich mich nicht mehr, das kund zu tun: Aus Angst, aus Zweifeln an meiner Wahrnehmung – „Warum sehe nur ich das und die anderen nicht? Es ist doch so offensichtlich!“
Nach vielen Gesprächen in den letzten zwei Jahren, weiß ich, dass mit meiner Wahrnehmung durchaus alles in Ordnung war. Und das es wichtig ist, dass ich mit meiner ruhigen, zurückhaltenden und feinfühligen Art in unserer Welt existiere. Ich muss mich nicht verstecken, weil ich so bin wie ich bin, denn auch ich – und viele andere mit mir – haben eine Stimme, die gehört werden möchte. Schweigen möchte ich nämlich nicht mehr! Mit meinen Beobachtungen hinter dem Berg halten nicht! Angst vor dem Kundtun meiner Meinung und Haltung auch nicht! Weder in meiner Rolle als Privatperson, noch in der als Historikerin!
Und deswegen wird diese Seite zu meiner Stimme!
